Beiträge mit Tag ‘Trauer’

Anteilnahme (Teil 1)

Jael_anteilnahme1

Die Reaktionen auf Jaëls Abschied enthalten so viele kostbare, tröstliche, inspirierende Gedanken. Einige möchten wir mit euch teilen. Gleichzeitig möchten wir herzlich danken für alle Anteilnahme durch Briefe, Mails und Kommentare, auch wenn wir nicht alles persönlich beantworten können. Eure lieben Worte bedeuten uns viel, und es ist schön zu lesen, wen und was Jaël in ihrem kurzen Leben so alles bewegt hat…

Jaël war und ist eines der größten Wunder, die ich und wahrscheinlich auch andere miterleben durften.

 

Jaël hat nachhaltige Spuren in unserem Leben und dem vieler Menschen nah und fern hinterlassen. Wir vermissen sie sehr! Wir haben eine Tiefe des Menschseins erlebt, die wir ohne Jaël weder vermutet noch kennengelernt hätten! Wir danken Jaël und euch dafür!

 

Jaël war ein Segen! Bis zum Schopf gefüllt mit Liebe für ihre Mitmenschen.

 

Uns alle konnte Jaël verzaubern mit ihrer Art, ihrem Wesen und ihren wunderschönen Wimpern.

 

Wir haben euer Töchterchen als so einen liebenswerten Lockenkopf in Erinnerung. Wenn man sie ansah, ging einem das Herz auf.

 

Jaël, du warst ein tolles und tapferes Mädchen. Du hast soviel Lebensfreude ausgestrahlt. Ich danke Dir für die Zeit, die ich mit Dir verbringen durfte. Es war einfach nur unglaublich schön….

 

Ich hab immer gern verfolgt, was ihr so macht und fand´s toll, wie ihr euer Leben genießt, trotzdem es ja immer diesen Schatten gab, der Jaël und euch begleitet hat. Ein dummer Gedanke, denn natürlich ist ja klar, dass dieser Schatten, der Tod eben, uns alle immer begleitet. Von Anfang an. Vielleicht müsst ihr mir mal Nachhilfe geben im Glücklichsein!

 

Wenn ich sie sah, war ich jedes Mal überwältigt von ihrer emotionalen Intelligenz, die bei ihr trotz ihrer Einschränkung so stark nach außen wirkte. Sie war ein echtes Gottesgeschenk, und ich glaube fest, dass durch sie bei jedem Menschen, den sie getroffen hat, etwas von Gottes großer Liebe spürbar geworden ist.

 

13 Jahre habt ihr Jaël mit eurer Liebe eingehüllt, und sie hat euch Liebe zurückgegeben.

 

Wir haben sie als strahlenden Sonnenschein in Erinnerung, der vor Liebe und Energie nur so strotzt.

 

Was für ein besonderes Kind – was für ein besonderer Name – Jaël – Emporsteigende/in der Höhe Zuflucht Suchende – das hat sie nun wohl wörtlich genommen, und mit diesem Namen habt ihr ihr das Beste mitgegeben: Für´s Leben und auch für´s Sterben.

 

תנצב”ה
Tihiye Nishmata Zrura Bezror Hachaim (may her soul be bound in the bundle of life)
– based on Samuel I 25:29 “May my master’s soul be bound in the bundle with the Lord your God”, and written on every Jewish gravestone.

 

Sie hat euer und vieler anderer Leben mit ihrem Strahlen und ihrer Freude so bereichert und erfüllt.

 

Danke, dass ich dich kennenlernen durfte und dich ein Stück deines Lebensweges begleiten durfte. Du bist ein Wunschkind Gottes. Schön, dass es dich, Jaël, gab.

Weiter lesen Keine Kommentare

Kleine Schritte

In den Tagen und Wochen nach der Trauerfeier kehrt nun Ruhe ein, und damit dringt auch die Realität des Verlustes, der Abwesenheit Jaëls in unser Bewusstsein. Langsam wird klarer, was geschehen ist und was auf uns zukommt: Leben, ohne Jaël bei uns.

Jetzt geht es darum, sich mit dem natürlichen Vorhandensein von Trauer abzufinden und in diesen Zeiten keine großen Schritte oder Veränderungen zu erwarten. Dabei hilft uns das Buch “Was bei Trauer gut tut” von Roland Kachler. Kachler gibt darin Trauernden einfache Mittel an die Hand, die den Verlustschmerz lebbarer machen. Im Kapitel “Wie soll ich überleben ohne dich?” schreibt er:

In dieser ersten schlimmen Zeit sind es die ganz einfachen Dinge, die Sie brauchen und die Ihnen helfen, diese Zeit zu überleben. Es geht nicht darum, dass es Ihnen gut geht, sondern dass Sie diese ersten Wochen nach dem Tod Ihres geliebten Menschen überstehen. […] Bei einem schweren Verlust geht es um nichts weniger, aber auch um nicht mehr als um dieses Überleben, jeden Tag für sich und so Tag um Tag.

Diese Worte sind hart, aber gleichzeitig so positiv ernüchternd, weil sie davor schützen, zu schnell neue Ziele oder große Schritte zu erwarten.

Es ist nicht die Zeit der großen Zukunft, nicht die Zeit der Pläne, sondern die Zeit der kleinen Schritte. Es geht darum, dass Sie Schritte des Überlebens und Schritte zum Überleben tun können und auch tun. Sie werden diese Schritte langsam, unsicher und tastend gehen. Manchmal möchten Sie einfach nicht weitergehen, manchmal liegt es nahe, aufzugeben… All das sind ganz normale und – so schwer es zu ertragen ist – auch notwendige Erfahrungen. Und doch wird es immer wieder auch Momente oder Stunden geben, in denen es Ihnen ordentlich geht. Dann nehmen Sie solche Erfahrungen als kleine Geschenke, die Sie für die weiteren schweren Stunden stärken.

Solche Geschenke der Stärkung durften wir auch durch andere erfahren. Danke an alle, die uns in den letzten Wochen eingeladen, beigestanden und durch Gemeinschaft ermutigt haben. Ihr helft uns, in kleinen Schritten weiterzugehen.

Weiter lesen Keine Kommentare

Beim Aufgang der Sonne

IMG_0232

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie

So lange wir leben
wird sie auch leben,
denn sie ist nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

Nach “Tore des Gebets”, reformiertes jüdisches Gebetsbuch

Weiter lesen 3 Kommentare

Von Jaël-Kompetenz bis Trauerbewältigung

sofa

Nach Jaëls Abschied über sie und das Leben mit ihr nachzudenken und zu schreiben, fühlt sich für uns gerade gut und richtig an. Es ist eine der Sachen, die man für einen geliebten Menschen nach seinem Tod noch tun kann, wenn Abschiedsphase und Beerdigung vorbei sind. Der Psychotherapeut Roland Kachler rät:

Tun Sie zunächst das, was Sie für Ihren geliebten Menschen tun möchten, gerade jetzt nach seinem Tod. Sie werden vielleicht fragen, was Sie jetzt noch für ihn tun können, da er doch nicht mehr lebt und nicht mehr da ist. Doch weil die Liebe zu Ihrem geliebten Menschen mit seinem Tod nicht zu Ende ist, sondern über seinen Tod hinausreicht, können Sie noch vieles für ihn tun. *

Nachdenken, Erinnern und Schreiben aus Liebe zu Jaël – das klingt für uns jetzt nach dem richtigen Weg. Schnell häufen sich dabei die Gedanken und Ideen, so dass wir erst einmal Kategorien brauchen:

1. Abschiedsphase

Die fünf letzten Tage mit Jaël waren so besonders und intensiv. Großeltern und Freunde waren immer wieder dabei. Wir alle zusammen, Jaël in der Mitte – eine echte Shalom-Erfahrung, ich kann es nicht anders ausdrücken. Davon wollen wir erzählen. Genauso von der Trauerfeier, die so schön und heilsam war, eine Erfahrung, die für Eltern verstorbener Kinder leider nicht selbstverständlich ist. Weisheit und Ermutigung begegnet uns in den Kondolenzkarten zu Jaëls Tod. Für uns sehr tröstlich und inspirierend, was liebe Menschen geschrieben haben. Ein paar schöne Zitate (natürlich anonym) wollen wir hier gerne veröffentlichen.

2. Trauerbewältigung

Hier möchten wir darüber schreiben, welche Gedanken und Ansätzen uns bei der Trauerbewältigung helfen. In der Trauertherapie wird von verschiedenen Trauerphasen ausgegangen: Nach dem ersten Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnung (1. Phase der Trauer) folgt eine Phase der aufbrechenden Gefühle (2. Phase der Trauer) Es kommt zu einer langsamen Neuorientierung (3. Phase der Trauer), bevor ein neues Gleichgewicht (4. Phase der Trauer) entstehen kann. Die Phasen sind natürlich nicht so klar voneinander abzugrenzen. Und es wird für Trauernde auch immer wieder Abstecher aus späten Phasen in frühe Phasen der Trauer geben.

3. Jaël-Kompetenz

Unsere Tochter hinterlässt uns ein reiches Erbe an Haltungen dem Leben gegenüber, das wir kultivieren und pflegen möchten. In der Traueransprache prägte unsere Pastorin dafür den Begriff “Jaël-Kompetenz”:

  • Liebe
  • Beziehung (Umarmen, Augenkontakt, Zünden)
  • im Augenblick sein
  • Großzügigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Gelassenheit.

In all dem können wir von unserer Tochter einiges lernen. Dafür soll in dieser Blog-Kategorie Raum sein.

4. Stationen aus Jaëls Leben

Hier wollen wir schreiben, was wir mit Jaël an verschiedenen Stationen erlebt haben. Erinnerungen an die Geburt, Zeiten in KiTa und Schule, die Unterstützung durch Ärzte, Klinikum, Kinderhospiz und Kinderpalliativteam.

5. Verschiedenes

Und alles, was nicht in andere Kategorien passt, findet hier seinen Platz: Praktische Tipps und Hilfen, die anderen Eltern besonderer Kinder eine Hilfe sein könnten, z.B. zum Umgang mit der Krankenkasse oder dem Medizinischen Dienst. 😉 Inspirierende Gedanken, die Frage nach Gott und Glauben in schwierigen Zeiten… Die Kategorie “Verschiedenes” füllt sich meist von selbst, wenn man einmal angefangen hat.

Das Gerüst steht also, wir werden beginnen, es zu füllen. Aber auch hier gilt, was für Trauerphasen so wichtig ist:

Alles darf, nichts muss.

Wir gehen unseren Weg.

Mit unserem Tempo.


* Kachler, Roland 2011. Was bei Trauer gut tut: Hilfen für schwere Stunden. Freiburg: KREUZ VERLAG.

Weiter lesen Keine Kommentare

Zwischenzeit

haendeVor einer Woche ist unsere geliebte Tochter Jaël verstorben. Es waren unglaublich intensive fünf Tage des Abschieds, die uns zuvor geschenkt wurden. Wir zehren immer noch davon. Auch von der bewegenden Trauerfeier am Freitag, von der hier noch zu lesen sein wird.

Freunde fragen uns in diesen Tagen, was wir jetzt machen. Wie es weitergeht. Für uns als Eltern ist nun eine Zwischenzeit angebrochen. Etwas Großes ist plötzlich vorbei und hinterlässt doch überall seine mächtigen Spuren. Das Neue hat noch nicht begonnen. Und darf es auch noch nicht. Damit das, was war, weiter strahlen kann. Shabnam und ich wollen die Entwicklungen in den nächsten Wochen aktiv verarbeiten und suchen und finden dabei Hilfe in vielfältiger Weise:

Reden hilft

Was wir denken, wollen wir nicht verschweigen, sondern aussprechen: Schöne Erinnerungen, schmerzliches Vermissen – alles darf jetzt sein. Nichts muss. Wir sind froh, dass wir dies miteinander teilen können. Und auch mit anderen. Freunde laden uns ein, wir dürfen in diesen Tagen viel unterwegs sein. Dazu gehört auch der Besuch im Kinderhospiz Olpe, wo Jaël seit 2007 immer wieder so liebevoll begleitet wurde, während wir als Paar unseren Akku aufladen konnten.

Anteilnahme hilft

Die Reaktionen auf Jaëls Tod sind überwältigend. So viele Mails, Karten, liebe Worte, die uns Trost spenden. Wir sind sehr dankbar dafür und freuen uns über jeden einzelnen Gruß. Dabei überraschen uns viele Zeilen mit Gedanken, die ganz neue Perspektiven auf unsere Geschichte mit Jaël ermöglichen. Und auch auf die jetzt angebrochene Zeit der dankbaren Erinnerung.

Lesen hilft

Bücher zur Trauerbewältigung gibt es viele. Oft steht dabei der Ansatz des Abschieds und Loslassens im Vordergrund. Der Psychotherapeut Roland Kachler hat nach dem Unfalltod seines eigenen Sohnes einen neuen, viel beachteten Ansatz im Verständnis der Trauer entwickelt: Nicht das Loslassen, sondern die Liebe zum Verstorbenen steht im Zentrum des Trauerprozesses. Die Liebe ist das Ziel der Trauerarbeit, sie führt durch den Trauerprozess und findet eine neue, innere Beziehung zum Verstorbenen. Für uns scheint dieser Ansatz besonders im Blick auf unsere Tochter stimmig, die selber so voller Liebe war und andere mit ihrer Liebe angesteckt hat. Wir werden also lesen. Und davon berichten, denn:

Schreiben hilft

Die erste Weihnachtszeit ohne Jaël kann und darf nicht so sein wie vorher. Wir brauchen Zeit, um alles zu verarbeiten und werden uns dafür zurückziehen. Und wir wollen unsere Gedanken in diesem Blog aufschreiben. Für uns selbst, weil Schreiben hilft. Und vielleicht auch für andere, die um Jaël trauern. Oder die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und noch machen werden. Ein Konzept dafür steht bereits. Wir stellen es euch im nächsten Post vor.

So wünschen wir nun euch und uns eine gesegnete Zwischenzeit.

Weiter lesen 5 Kommentare