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Da geht noch was

Ein neuer Tag. Die Frage, die uns heute beschäftigt: Lässt sich die Erfahrung von gestern noch steigern, oder war das bereits das Maximum dessen, was Jaël aufnehmen kann? Wir werden sehen.

Auf dem Weg nach oben zum Delphinarium das alte Lied: Die Augen zugekniffen. Wer sie kennt, weiß: Mit geschlossenen Augen ist Jaël regelrecht eine andere Person. Und daran ändert sich auch nichts, bis wir den Schutz der Umkleide betreten haben. Hier gehen die Augen auf, und Jaël genießt ihre Neopren-Modenschau.

Dann ganz vorsichtig rückwärts raus ins Tageslicht. Heute kein Regen, aber der Himmel stark bewölkt. Eigentlich optimal für Jaël. Die letzten 10 Minuten vor dem Start. Jetzt bloß keinen Fehler machen, damit die Augen offen bleiben. Wie das geht? Unsinnige Lieder singen, Schnalzlaute abgeben und ihren Kopf gerade balancieren, damit die Augen unter dem Schutz der Kappe bleiben.

15:00 Uhr. Übergabe an Branko, Augen offen. Er trägt Jaël diesmal aufrecht vor sich ins Becken. Ein Delphin wartet bereits. Unsere Frage des Tages wird schnell beantwortet. Es gibt noch Steigerungspotenzial. Jaël fixiert die Delphine nicht nur, sondern ruft laut nach ihnen. Sofort sind mehrere Tiere da und antworten mit fröhlichen Quietsch-Lauten (siehe Foto). Ein Moment, der schwer mit Worten zu beschreiben ist. Uns steigen die Tränen in die Augen. Ich muss an den Song „Dolphins make me cry“ von Martyn Joseph denken.

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Ein Delphin spritzt mit Wasser (Einladung zum Spielen), der andere liegt dahinter auf der Lauer und wartet ab. Jaël behält die Augen offen und nimmt die Hände nach vorne.

Branko geht mit Jaël weiter ins Becken hinein. Um die beiden herum entwickelt sich ein munteres Schwimmen, Wirbeln und Spielen. Da ist der Schuhräuber von Tag 1 wieder. Mehrmals versucht er, Jaëls Schwimmschuh auszuziehen. Doch Branko hat seine Absichten durchschaut und ist mit der Hand dazwischen. Shabnam hat die Schuhe zusätzlich mit Haargummis fixiert. Also keine Chance.

Immer wieder kommt ein Tier angeschwommen, dreht sich neugierig auf die Seite und nähert sich unserer Tochter. Klasse: Jaël bleibt nicht nur wach, sondern zeigt eine supergute Kopfhaltung. Auch greift sie nicht mehr mit einer Hand an Brankos Kinn, ist also sicherer als in den letzten Tagen.

Die 30 Minuten sind zu Ende, und wir sind so gerührt, dass wir gar nicht schnell genug am Tor sind, um Jaël anzunehmen. Wir sind einfach nur stolz auf unsere Tochter. Sie hat sich heute richtig angestrengt und viel mitgenommen. Egal, was in den verbleibenden zwei Tagen noch kommt – die bisherigen Einheiten haben ihr und uns viel gegeben. Diese Tour hat sich voll gelohnt.

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Jaël und Plutarch

Mittwoch, 13:00 Uhr: Elterntreffen mit dem Therapeuten neben dem Becken. Branko Weitzmann erklärt den Ablauf und die Wirkung der 30 Minuten im Delphinbecken. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen bietet Mundomar den Kindern statt Delphinschwimmen mit Tierpfleger die delphinassistierte Therapie, bei der der Therapeut direkt mit im Wasser ist. Das gerade erschienene Buch „Delphin-Kinder“ von Branko Weitzmann berichtet von den Chancen, Geschichten und Hintergründen der Delphin-Therapie. Im letzten Jahr lief ein mehrteiliger Bericht auf ARTE. Ab Sonntag, 22.Oktober, um 22:00 Uhr wird das Ganze im WDR wiederholt. Nicht verpassen! Und für November ist Branko mit einer Familie, die an der Therapie teilgenommen hat, bei JBK im ZDF eingeladen.
Doch zurück ins Hier und Jetzt. Hey, wer hat denn hier draußen bei dem Elterntreffen die Augen offen? – Jaël! So kanns weitergehen. Leider beginnt es zu regnen. Das können wir natürlich nicht gut gebrauchen. Aber noch ist ja etwas Zeit, bis es losgeht.
14:45 Uhr, Umkleide. Jaël zieht ihr Surferdress an. So langsam genießt sie die Klamotten und den Gummigestank in dieser kleinen Holzhütte. Jetzt noch die weiße Kappe auf und raus. Auf die Brille, die sie gestern auch nur als Fremdkörper wahrnahm, verzichten wir wieder. Und siehe da, die Augen sind auf. Auch als Branko Jaël entgegen nimmt, ändert sich das nicht. Sollte heute was gehen?
Ran an die Digitalkameras, damit wir nichts verpassen. Branko sitzt mit Jaël im Becken, und sofort sind 2 Delphine mit ihren Köpfen auf Tuchfühlung. Und Jaëls Augen? Offen! (Siehe Foto) Sie fixiert die Delphine ganz lange und erwischt sogar einen mit der Hand am Rücken. Ja, das war ein Streicheln.

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Und das bedeutet anscheinend die volle Breitseite für Jaëls Sinne. Denn wenig später sind die Augen wieder zu. Sie ist von dieser Erfahrung so mitgenommen, dass sie den Kopf zur Seite legt und tatsächlich einschläft. Auch Brankos Aufforderungen „Augen auf, nicht schlafen!“ holen Jaël nicht zurück…
In diesem Moment fällt mir auf, dass die Digitalkamera auf „Stand by“ und nicht auf „Record“ steht. Ich hab den Knopf in der Aufregung nicht richtig getroffen. Wie blöd!!! Aber Shabnam hat ja Fotos von den offenen Augen gemacht. Und für heute hatte ich mir sowieso vorgenommen, dass die Aufnahmen im Hintergrund stehen sollten. Ziel war, dass Jaël die Delphine sieht. Und das ist erreicht. Danke für alle Gebete!

Es beginnt heftig zu regnen. Anni, wieviel Regen verträgt eine Kamera ohne Schutzhülle? Ich halte jedenfalls weiter drauf. Und Jaël scheint der Regen auch nicht zu stören. Das meiste Wasser ist sowieso unterhalb ihres Köpfchens. Sie ist wieder aufgewacht, obwohl die Augen noch geschlossen sind. 3 Freunde umkreisen Branko und sie immer wieder und spritzen mit Wasser. Unglaublich wie sensibel diese Tiere Jaëls Nähe suchen. (Siehe Foto) Ganz vorsichtig kommen sie bis an ihren Körper heran. Und das wiederholen sie unzählige Male. Warum machen sie das? Sie werden ja nicht von Branko dazu gedrängt. Auch bekommen sie während der Therapie keine Fische als Belohnung.
Was wir hier erleben, umschrieb der griechische Philosoph Plutarch so:

Dem Delphin hat die Natur als Einzigem jene Gabe verliehen, nach dem die größten Philosophen streben: die uneigennützige Freundschaft. Er bedarf keines einzigen Menschen und ist dennoch der großmütigste Freund von allen und hat schon vielen geholfen.“

Möge Jaël diese uneigennützige Freundschaft auch in diesen Tagen erfahren. Sie liegt übrigens gerade neben mir im Bett und schläft tief und fest – volle Breitseite eben!
Gleich müssen wir sie aber wecken, denn um 19 Uhr gibt es Abendessen. Hier isst sie am liebsten pürierte Pasta mit Bolognese- oder Thunfischsauce (natürlich nur den delphinfreundlich ohne Treibnetze gefangenen Thunfisch…).
Mit den Fotos klappt das hier noch nicht wirklich, aber das werden wir auch noch hinbekommen. Leider gibt es im Hotel nur ein Internetterminal ohne vernünftige Maus und mit einer Tastatur, die original baugleich ist mit der vom Überweisungsterminal der Sparkasse Solingen! Heavy Metal! Liebe Grüße an alle! Mehr gibt’s morgen…

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Der erste Nasentreffer

Dienstag, 15 Uhr: Jaël heute ohne Kappe, die wir im Hotel vergessen haben, dafür mit getönter Schwimmbrille. Außerdem trägt sie bei ihrem zweiten Auftritt im Delphinbecken einen kurzen Neoprenanzug unter dem langen, damit ihr nicht so schnell kalt wird. Und rein geht’s ins Wasser.

Heute scheint jeder eher mit sich selbst beschäftigt. Die Begegnungen sind rar, dafür intensiv. Branko legt Jaël auf dem Rücken ins Wasser, ein Delphin nähert sich im selben Schwimmstil (siehe Foto).

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Am Ende der 30 Minuten erwischt Jaël einen ihrer neuen Freunde kurz mit der Hand an der Nase. Wirkungstreffer für Jaël. Diese spontanen Berührungen sind es, die wir für sie herbeisehnen.

Die Therapie findet im kleinen Becken links neben dem Showbecken statt, von wo aus die Delphine immer wieder zu Besuch herüber kommen. Das angefügte Foto gibt einen Überblick über das Delphinarium – eine Art Piratenschiff bildet den Hintergrund des Showbeckens.

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Nachdem Jaël raus ist aus dem Becken, strecken 2 Delphine die Köpfe aus dem Wasser und spritzen ein wenig Wasser hinter ihr her. Kein Problem, Freunde, morgen gibt’s ein Wiedersehen. Hoffentlich mit offenen Augen von Jaël. Denn die waren heute bis auf die Zeit im Hotel und in der Umkleide geschlossen. Und das frustet uns schon ziemlich. Wer will schon sein Leben nur in geschlossenen Räumen verbringen!?

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Tag 1

NeoprenJaël im Neoprenanzug Größe 1 – ein süßer Anblick. Noch 15 Minuten, dann geht es los. Außerhalb der Umkleide kneift sie leider wieder die Augen zusammen.

Dann der große Moment: Delphintherapeut Branko Weitzmann nimmt Jaël aus Shabnams Arm entgegen und geht mit ihr zum Becken. Die weiße Kappe soll Jaël etwas Schutz vor dem Tageslicht bieten. Jetzt bekommt sie noch eine gelbe Schwimmhilfe um den Bauch gewickelt.
Währenddessen tummeln sich schon 4-5 neugierige Delphine vor Branko und wollen Jael kennen lernen.

Sie strecken ihre Köpfe aus dem Wasser Richtung Beckenrand und quietschen vergnügt. Jaël bemüht sich die Augen zu öffnen, was ihr in den ersten Minuten auch mehr oder weniger gut gelingt.

Sobald Branko mit ihr im Wasser ist, sind die Delphine da. Sie schwimmen um die beiden herum und nähern sich Jaël. Branko redet mit ihnen und erklärt Jaël, was da vor sich geht. 30 Minuten dauert diese erste Begegnung der besonderen Art.

Ein Delphin knabbert an Jaëls Fuß und klaut ihr einen Schwimmschuh, aber Branko greift sich den Schuh, bevor der Halunke damit entkommen kann.
Eine wunderbare Szene: Auch die Mutter, die sich mit ihrem Babydelphin sonst immer stark absondert, kommt mit ihrem Kleinen zu Jael.

Die hat mittlerweile die Augen geschlossen, schluckt ab und zu ein bisschen Wasser, nimmt die ganze Geschichte aber sehr locker. Zum Abschied noch einmal Winken. Bis morgen, Freunde! Shabnam nimmt ein tropfendes Bündel aus Brankos Händen entgegen.

Noch während des Umkleidens fängt Jaël lauthals an zu erzählen und freudig zu kreischen. Die Frage “Jaël, was haben die Delphine denn gemacht?” entlockt ihr immer neue Töne. Das hat Jaël gut getan, auch wenn ihr jetzt kalt ist. Zurück im Hotel gibts eine warme Dusche und ein Nickerchen mit süßen Träumen von den Delphin-Freunden…

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Wieder im Krankenhaus

Ein weiterer Infekt weitet sich zu einer Lungenentzündung aus. Wir müssen ins Krankenhaus. Dort bekommt Jaël Nahrung und Medikamente per Infusion. Ein DANKESCHÖN an das freundliche Kinderklinik-Team! In zwei Wochen muss Jaël wieder fit sein, denn… sie hat einen Platz für eine Delphintherapie in Spanien bekommen! Und da wollen wir mit ihr unbedingt hin.

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