Beiträge mit Tag ‘Trauerbewältigung’

Gedanken zum dritten Todestag

Jaël mit zwei Jahren, lachend auf einem Sitzsack

Heute vor drei Jahren mussten wir unsere Jaël loslassen. Drei Jahre ohne ihr herzerwärmendes Lächeln und ihre zärtlichen Umarmungen. Sie ist kaum zu schließen, die Lücke, die unsere Tochter hinterlässt. Die Lücke ist da, und wir spüren sie täglich. Doch vor allem spüren wir große Dankbarkeit. Durch das Schreiben und Arbeiten an unserem Buch “Umarmen und loslassen” war uns Jaël in den vergangenen Monaten so präsent und nah.

Seit Ende Oktober und der Veröffentlichung des Buches schleicht sie sich nun still und heimlich auch in die Herzen von Menschen, die sie bisher gar nicht kannten. Die bewegenden persönlichen Rückmeldungen der Leserinnen und Leser zu “Umarmen und loslassen” erzählen davon und zaubern ein Lächeln auf unsere Gesichter. Zu lesen, wie unsere kleine Jaël und ihre Geschichte anderen Familien einen Hoffnungsschimmer bringt und in schwierigen Lebenssituationen Kraft spendet, bringt unsere Herzen zum Hüpfen und nimmt uns etwas von der Schwere dieses Tages. Dass in diesen Tagen das bezaubernde Lächeln unserer Tochter in Buchhandlungen, Fernsehbeiträgen und Zeitschriften erstrahlt, ist unbeschreiblich schön.

Wir sind unendlich dankbar, dass Jaël über ihren Tod hinaus Herzen berührt und Geschichte schreibt.

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Große Vorfreude

Umarmen und loslassen von Shabnam Arzt

Der erste Morgen einer spannenden neuen Woche: Nächsten Montag (23.10.) erscheint “Umarmen und Loslassen” bei LUDWIG, und Jaëls hübsches Gesicht wird die Buchläden zieren.

Bereits diesen Donnerstag (19.10.) findet die Buchpräsentation mit Lesung im Kunstmuseum Solingen statt. Wir freuen uns, einige unserer Blog-Leser dort zu treffen und kennenzulernen.

Kommt alle gut in die neue Woche.

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Geburtstagsgrüße

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Heute offenbart uns ein Ausflug vom Südtiroler Etsch-Tal in luftige Höhen atemberaubende Ausblicke und Bilder. In welche Himmelsrichtung wir unseren Blick auch wenden – wir können nur dankbar staunen über die Größe und Schönheit der uns umgebenden Landschaft.

Das dankbare Staunen ist ein schönes Bild für diesen Tag. Für den 15. September 2017. Es ist der 16. Geburtstag unserer Tochter. Wir denken in Liebe und Dankbarkeit an Jaël, die wir vor mehr als zwei Jahren loslassen mussten. Wir erinnern uns dankbar zurück an die gemeinsamen Jahre. An Höhen und Täler.

Gleichzeitig schauen wir staunend nach vorne. In einem Monat erscheint das Buch, in dem wir die gemeinsamen 13 Jahre mit unserer Tochter reflektieren. Wir schauen staunend auf Dinge, die größer sind als wir selbst. Und sind dankbar für Vergangenes und Zukünftiges.

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Von Jaël-Kompetenz bis Trauerbewältigung

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Nach Jaëls Abschied über sie und das Leben mit ihr nachzudenken und zu schreiben, fühlt sich für uns gerade gut und richtig an. Es ist eine der Sachen, die man für einen geliebten Menschen nach seinem Tod noch tun kann, wenn Abschiedsphase und Beerdigung vorbei sind. Der Psychotherapeut Roland Kachler rät:

Tun Sie zunächst das, was Sie für Ihren geliebten Menschen tun möchten, gerade jetzt nach seinem Tod. Sie werden vielleicht fragen, was Sie jetzt noch für ihn tun können, da er doch nicht mehr lebt und nicht mehr da ist. Doch weil die Liebe zu Ihrem geliebten Menschen mit seinem Tod nicht zu Ende ist, sondern über seinen Tod hinausreicht, können Sie noch vieles für ihn tun. *

Nachdenken, Erinnern und Schreiben aus Liebe zu Jaël – das klingt für uns jetzt nach dem richtigen Weg. Schnell häufen sich dabei die Gedanken und Ideen, so dass wir erst einmal Kategorien brauchen:

1. Abschiedsphase

Die fünf letzten Tage mit Jaël waren so besonders und intensiv. Großeltern und Freunde waren immer wieder dabei. Wir alle zusammen, Jaël in der Mitte – eine echte Shalom-Erfahrung, ich kann es nicht anders ausdrücken. Davon wollen wir erzählen. Genauso von der Trauerfeier, die so schön und heilsam war, eine Erfahrung, die für Eltern verstorbener Kinder leider nicht selbstverständlich ist. Weisheit und Ermutigung begegnet uns in den Kondolenzkarten zu Jaëls Tod. Für uns sehr tröstlich und inspirierend, was liebe Menschen geschrieben haben. Ein paar schöne Zitate (natürlich anonym) wollen wir hier gerne veröffentlichen.

2. Trauerbewältigung

Hier möchten wir darüber schreiben, welche Gedanken und Ansätzen uns bei der Trauerbewältigung helfen. In der Trauertherapie wird von verschiedenen Trauerphasen ausgegangen: Nach dem ersten Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnung (1. Phase der Trauer) folgt eine Phase der aufbrechenden Gefühle (2. Phase der Trauer) Es kommt zu einer langsamen Neuorientierung (3. Phase der Trauer), bevor ein neues Gleichgewicht (4. Phase der Trauer) entstehen kann. Die Phasen sind natürlich nicht so klar voneinander abzugrenzen. Und es wird für Trauernde auch immer wieder Abstecher aus späten Phasen in frühe Phasen der Trauer geben.

3. Jaël-Kompetenz

Unsere Tochter hinterlässt uns ein reiches Erbe an Haltungen dem Leben gegenüber, das wir kultivieren und pflegen möchten. In der Traueransprache prägte unsere Pastorin dafür den Begriff “Jaël-Kompetenz”:

  • Liebe
  • Beziehung (Umarmen, Augenkontakt, Zünden)
  • im Augenblick sein
  • Großzügigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Gelassenheit.

In all dem können wir von unserer Tochter einiges lernen. Dafür soll in dieser Blog-Kategorie Raum sein.

4. Stationen aus Jaëls Leben

Hier wollen wir schreiben, was wir mit Jaël an verschiedenen Stationen erlebt haben. Erinnerungen an die Geburt, Zeiten in KiTa und Schule, die Unterstützung durch Ärzte, Klinikum, Kinderhospiz und Kinderpalliativteam.

5. Verschiedenes

Und alles, was nicht in andere Kategorien passt, findet hier seinen Platz: Praktische Tipps und Hilfen, die anderen Eltern besonderer Kinder eine Hilfe sein könnten, z.B. zum Umgang mit der Krankenkasse oder dem Medizinischen Dienst. 😉 Inspirierende Gedanken, die Frage nach Gott und Glauben in schwierigen Zeiten… Die Kategorie “Verschiedenes” füllt sich meist von selbst, wenn man einmal angefangen hat.

Das Gerüst steht also, wir werden beginnen, es zu füllen. Aber auch hier gilt, was für Trauerphasen so wichtig ist:

Alles darf, nichts muss.

Wir gehen unseren Weg.

Mit unserem Tempo.


* Kachler, Roland 2011. Was bei Trauer gut tut: Hilfen für schwere Stunden. Freiburg: KREUZ VERLAG.

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