{"id":770,"date":"2014-12-20T12:04:59","date_gmt":"2014-12-20T10:04:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/?p=770"},"modified":"2019-10-20T09:22:26","modified_gmt":"2019-10-20T07:22:26","slug":"die-trauerfeier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/2014\/12\/20\/die-trauerfeier\/","title":{"rendered":"Die Trauerfeier"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/kapelle.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium alignnone wp-image-792\" src=\"http:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/kapelle.jpg\" alt=\"kapelle\" width=\"620\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/kapelle.jpg 1024w, https:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/kapelle-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es war so eine sch\u00f6ne Trauerfeier, mit so vielen pers\u00f6nlichen Worten, insbesondere die Predigt hat mir sehr gut gefallen. Ich war geneigt, manchmal trotz aller Traurigkeit zu schmunzeln, weil man sich Ja\u00ebl mit ihrer &#8220;Ja\u00ebl-Kompetenz&#8221; so gut vorstellen konnte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese R\u00fcckmeldung steht stellvertretend f\u00fcr viele Stimmen nach der Beerdigung. Darf man eigentlich im Zusammenhang mit einer Trauerfeier den Begriff &#8220;sch\u00f6n&#8221; gebrauchen? In diesem Fall ja. Jeder Augenblick, jedes Lied, jedes Wort war an diesem 5. Dezember 2014 gef\u00fcllt mit Liebe und Trost, so dass sich viel Dankbarkeit in den Abschiedsschmerz mischte. Uns war besonders wichtig, dass in der Traueransprache der unverwechselbare Charakter unserer Tochter im Mittelpunkt steht. Was unsere Freundin und Pastorin daraus gemacht hat, ist mehr als eine Predigt. Es ist ein wundersch\u00f6nes Bild Ja\u00ebls mit den Farben von Glaube, Hoffnung und Liebe. Aus diesem Grund m\u00f6chten wir die Ansprache mit euch teilen.<\/p>\n<h4>Audio<\/h4>\n<p><audio src=\"http:\/\/www.trisomie-18.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Trauerfeier-Jael.mp3\"><\/audio><\/p>\n<h4>Manuskript<\/h4>\n<p class=\"western\">Liebe Eltern, liebe Gro\u00dfeltern und Familie von Ja\u00ebl, liebe Freunde!<\/p>\n<p class=\"western\">Wir sind heute gemeinsam hier, um uns von Ja\u00ebl zu verabschieden. Um einen wunderbaren kleinen Menschen zu feiern und Gott zu danken, dass er sie ihren Eltern f\u00fcr 13 Jahre hier auf dieser Erde geschenkt hat [&#8230;]<!--more--><\/p>\n<p class=\"western\">Es war eine kostbare Zeit, die ihr &#8211; und wir mit euch \u2013 mit ihr erlebt habt.<\/p>\n<p class=\"western\">Schon vor ihrer Geburt hattet ihr euch ganz und gar f\u00fcr sie entschieden. Als unklar war, ob sie gesund zur Welt kommen w\u00fcrde. Als mancher meinte, es sei doch nicht n\u00f6tig, das Risiko eines Kindes mit einer Chromosomenst\u00f6rung auf sich zu nehmen \u2013 da war f\u00fcr euch \u2013 mit aller Angst und Sorge im Herzen \u2013 doch schon klar: dieses Kind ist willkommen, so wie Gott es uns in die Arme legt. Wunderbar gemacht, so wie sie zu uns kommt.<\/p>\n<p class=\"western\">Als Ja\u00ebl geboren wurde, da stand neben all der Freude \u00fcber das neugeborene M\u00e4dchen die Prognose der \u00c4rzte im Raum, dass sie nur eine kurze Zeit unter h\u00f6chsten Einschr\u00e4nkungen zu leben habe.<\/p>\n<p class=\"western\">Und bis heute geht es euch so, dass viele erst einmal denken: was f\u00fcr ein schlimmes Schicksal. Wie schrecklich. &#8211; Warum nur? &#8211; Wie kann das denn ein lebenswertes Leben sein? Und wie halten die Eltern blo\u00df diese Belastung aus?<\/p>\n<p class=\"western\">Euch aber war Ja\u00ebl nicht Last, sondern Geschenk.<\/p>\n<p class=\"western\">Ihr seid einen Weg gef\u00fchrt worden, den ihr euch nicht ausgesucht habt. Einen Weg, der auch schwer war, der manches Mal \u00fcber eure Kraft ging, der euer ganzes Leben ver\u00e4ndert hat \u2013 aber ihr habt Segen darauf empfangen.<\/p>\n<p class=\"western\">Von Anfang habt ihr alles daf\u00fcr getan, nicht ihre Erkrankung in den Vordergrund zu stellen, sondern sie als Person, als eure Tochter wahrzunehmen \u2013 nicht die Krankheit, sondern Ja\u00ebl als Mensch mit ihrem Charakter, ihrer Fr\u00f6hlichkeit und Z\u00e4rtlichkeit stand von Anfang an im Vordergrund. \u2013 Ihr habt euch bem\u00fcht, ein ganz normales Familienleben zu f\u00fchren und habt ihr ins Leben hineingeholfen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Magensonde abtrainiert, mit viel, viel M\u00fche. Sie den Genuss am Essen gelehrt. P\u00fcrierte Rehkeule mit Kl\u00f6\u00dfchen von der Patentante \u2013 wenn das nicht Lebensfreude ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Frage nach dem \u201eWarum\u201c ist immer mehr unwichtig geworden f\u00fcr euch. Und auch die Hoffnung, dass sie gesund wird, war irgendwann nicht mehr das, was euch besch\u00e4ftigt hat. \u201eSie ist perfekt, so wie sie ist!\u201c \u2013 das war euer Gef\u00fchl f\u00fcr Ja\u00ebl.<\/p>\n<p class=\"western\">Und ihr habt gesp\u00fcrt: f\u00fcr Ja\u00ebl ist es nicht schlimm, wie ihr Leben ist \u2013 sie wei\u00df nicht, was sie verpasst und genie\u00dft, was sie hat. \u2013 Wie weise, oder?<\/p>\n<p class=\"western\">Ihr wart dankbar f\u00fcr jeden Tag, den sie da war. \u201eWie k\u00f6nnen wir <i>die<\/i> Zeit sch\u00f6n machen, die sie bei uns ist?\u201c \u2013 <i>das<\/i> war die Frage, die euch begleitet hat.<\/p>\n<p class=\"western\">Und ihr habt ihr das Leben sch\u00f6n gemacht! Ihr wart ganz f\u00fcr sie da. Habt sie \u00fcbersch\u00fcttet mit eurer Liebe und Z\u00e4rtlichkeit und sie immer sp\u00fcren lassen, wie wunderbar und einzigartig sie ist. Ich kann es nicht anders sagen: Ja\u00ebl h\u00e4tte in kein besseres Nest fallen k\u00f6nnen. Ihr seid wunderbare Eltern!<\/p>\n<p class=\"western\">Damit habt ihr Ja\u00ebls F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum gestellt \u2013 und sie hat ihre Welt erobert. \u201eJa\u00ebls Welt\u201c \u2013 hat sie erobert. Mit Ja\u00ebl-Kompetenz.<\/p>\n<p class=\"western\">Und Ja\u00ebl-Kompetenz &#8211; das waren vor allem Beziehungen. Das hat jeder erlebt, der ihr begegnet ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Sie hat Menschen erobert. Ihre Eltern \u2013 mit Leichtigkeit! Ihre Gro\u00dfeltern, ihre Oma \u2013 da ist immer mehr gewachsen an kostbarer Beziehung. Immer mehr ins Herz geschlichen hat sie sich. Ihre Patentanten.<\/p>\n<p class=\"western\">Eine davon ist Visnja, die erz\u00e4hlt, was ihr so besonders war an Ja\u00ebl:<\/p>\n<p class=\"western\">\u201e<i>Mich hat Ja\u00ebls Hingabe fasziniert, die sie der Person schenkte, mit der sie es gerade zu tun hatte, oder die sie dem Augenblick widmete, den sie gerade genoss.<\/i><\/p>\n<p class=\"western\"><i>Wenn ich ihr etwas ins Ohr fl\u00fcsterte, dann wurde sie ganz still und aufmerksam und ich konnte aus dem Augenwinkel sehen wie sie ganz versonnen l\u00e4chelte. Sie r\u00fchrte sich nicht, um den Augenblick nicht zu st\u00f6ren, egal wie lange ich ihr ins Ohr fl\u00fcsterte. Diese Hingabe hat sie auch in dem Prozess des Dahinschwindens gelebt, bis zu dem Augenblick als&nbsp; Jesus sie in seine Welt hin\u00fcber trug.&nbsp; Damit hat sie uns alle, die wir bei ihr sein durften, ber\u00fchrt und&nbsp; in diese Haltung mit hineingezogen.\u201c<\/i><\/p>\n<p class=\"western\">Ja\u00ebl hat ihre Patentanten erobert und sie hat<\/p>\n<p class=\"western\">ihren Ja\u00ebl-Freundeskreis erobert \u2013 wer konnte da widerstehen \u2013 bei einem Lachen das ein Strahlen war \u00fcber das ganze Gesicht \u2013 dass man die Augen kaum mehr sehen konnte.<\/p>\n<p class=\"western\">Und umarmt hat sie \u2013 und wie! Reine Ja\u00ebl-Kompetenz. Mit ihren Augen hat sie gez\u00fcndet, hat kommuniziert. Weggeguckt, hingeguckt \u2013 du guckst immer noch \u2013 Strahlen! Begeisterung pur! Zwanzigmal, drei\u00dfigmal, je \u00f6fter, desto sch\u00f6ner.<\/p>\n<p class=\"western\">Das steckte an. Juli sagt:<\/p>\n<p class=\"western\"><i>&#8220;Ja\u00ebl war ein einzigartiger Mensch. Wenn sie einen angelacht hat, dann sprang ein riesiger Funke \u00fcber. Das war immer ein ganz besonderes Gef\u00fchl.\u201c<\/i><\/p>\n<p class=\"western\">Und Andi, du hast es genauso empfunden, du sagst:<\/p>\n<p class=\"western\">\u201e<i>Das erste, was ich gemacht habe, wenn ich bei ihr war, ich habe&nbsp;Ja\u00ebl einen Kuss auf ihr Kinn gegeben. Dann hat sie mich umarmt, und wir haben gekuschelt. Sie hat sich immer dar\u00fcber gefreut und nie ablehnend reagiert. Ihr Lachen war ansteckend und ihr Herzlichkeit sehr wohltuend.<\/i><\/p>\n<p class=\"western\"><i>Meine Sch\u00fcler waren sehr ber\u00fchrt von Ja\u00ebls Geschichte. Sie haben ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekommen, wie lebenswert und bereichernd ein Leben auch mit Behinderung sein kann.\u201c<\/i><\/p>\n<p class=\"western\">Meisterin der Lebensfreude. Wenn Ja\u00ebl sich freute, dann mit dem ganzen K\u00f6rper, mit Armen und Beinen \u2013 alles in Bewegung \u2013 alles eine Feier des Lebens.<\/p>\n<p class=\"western\">Ihr habt gesagt: Sie hat mit Liebe und Freude wie Konfetti um sich geworfen!<\/p>\n<p class=\"western\">Ja\u00ebl liebte ihre Geschichten. Die Raupe Nimmersatt. Wei\u00dft du eigentlich, wie lieb ich dich hab? Bis zum Mond und wieder zur\u00fcck! \u2013 Das konnte sie immer wieder h\u00f6ren. Das liebte sie. Das hast du Eva ihr noch an dem Morgen des Tages an dem sie gestorben ist vorgelesen und sie hat reagiert und geantwortet, obwohl sie doch schon so weit auf ihrem Weg war.<\/p>\n<p class=\"western\">Und Ja\u00ebl und Mama und Papa &#8211; das war schon ganz besonders. So eine enge Verbindung hattet ihr. Ja\u00eblmaus und Mama und Papa, das war: Umarmen und immer wieder Umarmen, K\u00fcssen und Kuscheln; Strahlen \u00fcber das ganze Gesicht, wenn Mama kommt; mit den Delfinen schwimmen und nur noch selig sein; mit Papa am Samstagnachmittag Fu\u00dfball gucken mit Kaffee und Kuchen; ganz gem\u00fctlich die Spielzeugkiste ausr\u00e4umen, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck; das Zuhause genie\u00dfen; Essen genie\u00dfen, Singen und Lachen, das Prisma zerlegen \u2013 mit Sorgfalt!<\/p>\n<p class=\"western\">So viel habt ihr erlebt mit Ja\u00ebl.<\/p>\n<p class=\"western\">Tim, du warst auch einer von den nahen Menschen in Ja\u00ebls Leben. Gerade die kleinen, sch\u00f6nen Erlebnisse sind es auch, an die du bei Ja\u00ebl denkst:<\/p>\n<p class=\"western\">\u201e<i>Ja\u00ebl, ich habe an so einige Momente denken m\u00fcssen mit dir. Die Tage, wo ich dich auf dem Arm hielt und du dich immer wieder lachend nach hinten kopf\u00fcber Richtung Boden gedr\u00fcckt hast. W\u00e4hrend du auf dem Sofa lagst, ich dir den Ball zugerollt habe und du ihn pausenlos &nbsp;zur\u00fcckgespielt hast und dich freutest. Dein Grinsen und Lachen und Quieken dabei &#8211; das sind unbezahlbare Momente, die ich nicht vergessen werde.\u201c<\/i><\/p>\n<p class=\"western\">Das war Ja\u00ebl. Als beschenkt habt ihr euch von ihr erlebt. Und so viele enge Freunde mehr, die ich jetzt gar nicht alle nennen kann. Ihr wisst, dass ihr gemeint seid.<\/p>\n<p class=\"western\">Auch ihre Freunde bei den Schwestern im Kinderhospiz Olpe \u2013 Menschen, die so viel geleistet haben f\u00fcr die ganze Familie und f\u00fcr Ja\u00ebl.<\/p>\n<p class=\"western\">Und manch einer war dabei, den die Begegnung mit Ja\u00ebl ver\u00e4ndert hat. Wolfgang, du hast gesagt: \u201eSie hat mich weich gemacht!\u201c \u2013 Eine \u00c4rztin, die Ja\u00ebl beruflich immer wieder begegnete, schrieb: \u201eDieses zarte und stille in besonderer Weise fr\u00f6hliche Leben hat bei mir, bei uns feine Spuren hinterlassen, die unser Handeln ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Ein Medizinstudent, der ihren Blog las, entdeckte, dass Leben mit einer Trisomie 18 offensichtlich sehr viel lebenswerter ist, als es seine Lehrb\u00fccher sagten. Vielen anderen Eltern in einer \u00e4hnlichen Situation hat Ja\u00ebls Geschichte und ihre offensichtliche Lust am Leben Mut gemacht.<\/p>\n<p class=\"western\">Ja\u00ebl war aber nicht nur die Fr\u00f6hliche, Charmante. Sie war auch eine K\u00e4mpferin. In den kleinen Dingen, in denen sie versuchte, ihren Dickkopf durchzusetzen. Da wurde Milch, die sie gerade durch den Mund aufgenommen hatte, durch die Nase wieder hinausbef\u00f6rdert. Klare Ansage: Milch will ich nicht mehr! Ich bin gro\u00df! \u2013 Oder wer mal versucht hat sie zu f\u00fcttern, wei\u00df, dass sie eigentlich am liebsten bei Mama a\u00df.<\/p>\n<p class=\"western\">Sie war aber auch stark im Gro\u00dfen: wie oft hat sie sich immer wieder ins Leben zur\u00fcckgek\u00e4mpft. In ihr sch\u00f6nes Leben, das sie noch genie\u00dfen wollte. Ihr habt empfunden, dass sie manchmal st\u00e4rker war als ihr : \u201eIhre St\u00e4rke hat uns stark gemacht\u201c.<\/p>\n<p class=\"western\">Besonders seit dem Juli 2013 wurde deutlich, dass Ja\u00ebls Zeit begrenzt war. Sie schlief viel mehr als zuvor, wurde von der Schulpflicht befreit, die guten Tage wurden weniger.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber in <i>diesem<\/i> Jahr habt ihr noch einmal eine besonders gute Zeit miteinander gehabt: von September bis November ging es Ja\u00ebl au\u00dfergew\u00f6hnlich gut. Sie hatte sich ein letztes Mal ins Leben zur\u00fcckgek\u00e4mpft, war fr\u00f6hlich und z\u00e4rtlich und interessiert.<\/p>\n<p class=\"western\">Und doch hatte sie sich schon auf den Weg gemacht. Sie hatte die Fl\u00fcgel schon ein wenig ausgebreitet, um zu fliegen. Die kleine Raupe Nimmersatt war schon auf dem Weg ein Schmetterling zu werden.<\/p>\n<p class=\"western\">\u201eAlles hat seine Zeit: Umarmen hat seine Zeit und auch das Loslassen.\u201c Dieses Wort aus Prediger 3 habt ihr \u00fcber eure Anzeige f\u00fcr Ja\u00ebl gestellt und es ist so bezeichnend f\u00fcr eure Zeit mit Ja\u00ebl \u2013 von Gott geschenkte Zeit f\u00fcr Umarmen und Liebe und Freude miteinander und immer schon das Bewusstsein: irgendwann wird sie ihre Fl\u00fcgel benutzen und ihr werdet sie ziehen lassen in ein neues, wundersch\u00f6nes Leben in Gottes Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"western\">Letzte Woche Mittwoch wurde deutlich, dass jetzt endg\u00fcltig die Zeit des Loslassens gekommen war. Ja\u00ebl wollte auch von euch keine Nahrung mehr annehmen. Das hatte es so bisher nicht gegeben. Nach nur einem L\u00f6ffel bedankte sie sich und wollte nichts mehr annehmen. Sie hatte sich auf den Weg gemacht. Und f\u00fcr euch war es schwer, das endg\u00fcltig anzunehmen. Das wunderbare Palliativteam, das euch so unterst\u00fctzt hat und es m\u00f6glich gemacht hat, dass Ja\u00ebl bis zum Schluss Zuhause sein konnte, gab erst Infusionen \u2013 hat euch dann aber auch geholfen euch klarzuwerden, dass ein neuer Weg eingeschlagen war. Die Infusionen zeigten keine Wirkung mehr. Ihr K\u00f6rper konnte sie nicht mehr aufnehmen.<\/p>\n<p class=\"western\">Es begannen f\u00fcnf kostbare Tage des Abschieds.<\/p>\n<p class=\"western\">Tage, in denen ihr begleitet und getragen wurdet von Menschen, die euch nahe sind. Tage mit vielen Umarmungen, mit Z\u00e4rtlichkeit f\u00fcr Ja\u00ebl und mit Z\u00e4rtlichkeit, die sie bis zum Schluss ausgeteilt hat. Tage mit Beten und Segnen. Mit Wildrosen\u00f6l haben wir sie gesalbt und ihr das Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet. Sie Jesus anbefohlen. Tage mit keltischen Harfenkl\u00e4ngen, mit Lachen und Erz\u00e4hlen, mit Weinen. Geschichten von Ja\u00ebl habt ihr erz\u00e4hlt und sie war immer mittendrin, auf dem Arm \u2013 geborgen, gehalten, umgeben von Liebe. \u201eBis zum Mond und zur\u00fcck \u2013 so lieb haben wir uns!\u201c \u2013 das habt ihr immer wieder ins Ohr gefl\u00fcstert. Das war Frieden. Das war Shalom, diese Zeit.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich sage euch ganz ehrlich: jeder von uns, der einmal so sterben kann, der kann sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen!<\/p>\n<p class=\"western\">Und dann ihr habt sie losgelassen \u2013 das Letzte was unsere Liebe tun kann: \u201eFlieg Ja\u00eblmaus!\u201c \u2013 Und dann ist sie geflogen. Am Montagabend, als ihr gerade wieder mit ihr allein wart, da hat sie auf sich aufmerksam gemacht und hat sich mit einem Lied verabschiedet, mit einem Liebeslied f\u00fcr ihre Eltern und f\u00fcr ihr sch\u00f6nes Leben hier auf der Erde.<\/p>\n<p class=\"western\">Und dann hat Jesus sie in den Himmel getragen.<\/p>\n<p class=\"western\">Und der Himmel stand am Montag Abend weit offen \u00fcber ihr.<\/p>\n<p class=\"western\">Die H\u00fclle des irdischen K\u00f6rpers ist zur\u00fcckgeblieben.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber Ja\u00ebl ist in seiner Gegenwart. Ja\u00ebl ist frei. Frei von allen Einschr\u00e4nkungen. Am Ende beh\u00e4lt nicht die Trisomie das letzte Wort. Ja\u00ebl feiert jetzt ein Fest. Wie oft habt ihr ihr das erz\u00e4hlt: \u201eDas Sch\u00f6nste wartet noch auf dich!\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Das hat Jesus uns versprochen. Und das ist die Hoffnung, die euch jetzt h\u00e4lt. Christus steht daf\u00fcr ein, dass wir ein neues Leben bei Gott bekommen. Er hat den Weg freigemacht und nun gilt f\u00fcr immer: \u201eIch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.\u201c (Joh 11, 25)<\/p>\n<p class=\"western\">Das gilt f\u00fcr Ja\u00ebl, das gilt f\u00fcr uns.<\/p>\n<p class=\"western\">Und deshalb wissen wir, bei wem Ja\u00ebl jetzt ist. Bei dem, bei dem f\u00fcr das neue Leben gilt: \u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid und Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Und der auf dem Thron sa\u00df, sprach: \u201eSiehe, ich mache alles neu!\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Das ist Ja\u00ebls Taufvers aus der Offenbarung (Kap 21, 5).<\/p>\n<p class=\"western\">In seiner Gegenwart gibt es keine Einschr\u00e4nkungen mehr f\u00fcr Ja\u00ebl. Da hat sie F\u00fc\u00dfe, die laufen und tanzen und springen. Einen K\u00f6rper, der alles kann.<\/p>\n<p class=\"western\">Und immer noch ihr Ja\u00ebl-Lachen \u2013 denn auch in Gottes Gegenwart sind wir immer noch die Menschen, die wir waren. Und wir werden uns wiedersehen in seiner Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"western\">Was wird das f\u00fcr ein Fest sein. Ein Wiedersehen in Gottes Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"western\">In den Armen Jesu.<\/p>\n<p class=\"western\">In seinen Armen wissen wir Ja\u00ebl geborgen.<\/p>\n<p class=\"western\">Und in seinen Armen seid ihr auch ihr geborgen mit eurem Schmerz \u00fcber die Trennung, mit den zerbrochenen Herzen. Mit der Herausforderung in ein neues Leben zu finden.<\/p>\n<p class=\"western\">Jesus wird den Weg mit euch gehen. Seine Augen werden euch leiten.<\/p>\n<p class=\"western\">Sein Friede, der gr\u00f6\u00dfer ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.<\/p>\n<p class=\"western\">Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war so eine sch\u00f6ne Trauerfeier, mit so vielen pers\u00f6nlichen Worten, insbesondere die Predigt hat mir sehr gut gefallen. Ich war geneigt, manchmal trotz aller Traurigkeit zu schmunzeln, weil man sich Ja\u00ebl mit ihrer &#8220;Ja\u00ebl-Kompetenz&#8221; so gut vorstellen konnte. Diese R\u00fcckmeldung steht stellvertretend f\u00fcr viele Stimmen nach der Beerdigung. 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