Beiträge mit Tag ‘Ostern’

Lied “Umarmen und loslassen” – Annika Boos

Unsere Freundin und bezaubernde Sopranistin Annika Boos hat nach dem Lesen von “Umarmen und loslassen” dieses wunderschöne Lied geschrieben. Bei unserer Lesung in Solingen mit Marco Lombardo und Annika entstand diese Audio-Aufnahme (Danke, Tobi Wagner für´s Abmischen). Hier als kleiner Ostergruß an Euch. Seid umarmt und gesegnet.

Alles hat seine Zeit (Umarmen und loslassen)
Alles hat seine Zeit, alles hat seine Zeit
Alles hat seine Zeit, alles hat seine Zeit
Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen
Alles hat seine Zeit
Zeit zum Klagen, Zeit zum Tanzen
Alles hat seine Zeit
Zeit zu umarmen und loszulassen
Zeit zu umarmen und loszulassen
(Text: nach Prediger 3)
Annika Boos

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Nur eine Handvoll Leben

Eine deutsche TV-Produktion macht in den letzten Tagen mit guten Kritiken von sich reden: „Komplett kitschfrei, Gott sei Dank“ (SPIEGEL online). „Unbedingt preiswürdig“ (Frankfurter Neue Presse). „Dürfte als eines der besten Fernsehspiele mit dem Fokus Familie in die jüngere deutsche TV-Geschichte eingehen“ (Teleschau). Premiere im Ersten war am 23. März 2016, in der Mediathek ist der Film noch bis Juni verfügbar.

In „Nur eine Handvoll Leben“ spielen Annette Frier und Christian Erdmann ein Ehepaar, das mit seinen beiden Töchtern aus erster Ehe eine moderne Patchworkfamilie bildet. Die Geburt eines gemeinsamen Kindes soll ihr Glück perfekt machen. Beide fallen aus allen Wolken, als sie die niederschmetternde Diagnose Trisomie 18 erhalten.

Von einer Presseagentur, die den Film bewirbt, wurden wir als betroffene Eltern eines Kindes mit Trisomie 18 gefragt, ob wir für eventuelle Interviewanfragen zur Verfügung stehen würden. Nachdem wir die Produktion vorab angesehen hatten, waren wir uns einig, diese Anfrage positiv zu beantworten (hier ein daraus entstandener Artikel). Denn der Film, in Fernsehzeitschriften als Drama angekündigt, kommt trotz der Schwere des Themas so undramatisch und unaufdringlich daher, dass man gerne genauer hinschaut.

Das gesamte Spannungsfeld des Entscheidungsprozesses mit den dazugehörigen pränatalen Untersuchungen ist sehr authentisch dargestellt. So authentisch, dass wir uns schnell in eigenen Erinnerungen wiederfinden und die Tränen fließen. Die Dialoge sind angenehm sparsam angelegt. Ohne viel Worte, dafür mit ausdrucksstarken Bildern können die Gedanken der Protagonisten nachvollzogen werden. Ganz ehrlich: Bisher waren wir nicht unbedingt Fans deutscher TV-Produktionen. Aber was Produzentin Heike Voßler und Regisseurin Franziska Meletzky da geschaffen haben, ist äußerst sehenswert. Danke dafür! Auch an Henriette Piper, die das Drehbuch geschrieben hat. Als Jaëls Eltern fühlen wir uns sehr verstanden, wenn Annette ihre Entscheidung mit den Worten verkündet:

„Eure Schwester darf selber entscheiden, wie lange sie bei uns bleibt.“

Unsere Jaël blieb 13 Jahre. Und gab uns in dieser Zeit so viel Liebe, dass wir uns von ihr reich beschenkt fühlen. Dass die Macherinnen bei der Recherche direkten Kontakt mit betroffenen Familien hatten, spürt man dem Film ab. So trug die Begegnung des Teams mit der achtjährigen Gesa wesentlich zum Gelingen des Films bei, wie Regisseurin Franziska Meletzky beschreibt:

“Bedingungslose Liebe zu einem kleinen Geschöpf zu erleben, das so viel mehr zu kämpfen hat, löst Bewunderung, Zärtlichkeit und Demut aus.”

Ein heller, positiver Film, der die Osterzeit nachdenklich einläutet und aus dem man gestärkt und bereichert herauskommt. Und der einen wichtigen Beitrag leistet zu der Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Und zu einem gesellschaftlichen Klima, “in dem Frauen keine Angst haben müssen, diskrimiert zu werden, wenn sie sich für den mit Sicherheit nicht einfachen Weg für das Kind entscheiden” (Henriette Piper).

Links:

“Eine absolute Bereicherung für unser Leben” (epd)

Film “Nur eine Handvoll Leben” anschauen

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Kleiner Ostergruß

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Es werden Tage kommen, da der Duft des Frühlings wieder deine Sinne berührt, die Wärme des Sommers deine Seele streichelt und das Farbenmeer des Herbstes für dich leuchtet. Und der Winter in deinem Herzen wird langsam vorübergehen.

Vier Monate sind vergangen, und es gibt keinen Tag, an dem wir unsere Jaël nicht vermissen. Ihr bezauberndes und ansteckendes Lächeln. Ihre fröhlich funkelnden Augen. Ihre herzerwärmenden Umarmungen. Ihr vergnügtes Glucksen. Ihr Erzählen. Ihre einzigartige Art, das Leben zu genießen. Ihr neugieriger und manchmal kritischer Blick. Ja, sie fehlt. Sie fehlt in allem, was wir erleben und tun. Und jetzt kommen die ersten Feste ohne sie.

Weihnachten und Silvester hätten wir zu Hause nicht verkraften können, deshalb machten wir uns nach der Beerdigung in die Kälte und Einsamkeit der schottischen Highlands auf. In der Hoffnung, die raue Landschaft möge unseren Schmerz ein wenig lindern. Wir wurden mit sehr netten Begegnungen gesegnet. Weit weg von Zuhause erfuhren wir ganz viel Liebe und Trost. Aber irgendwann mussten wir ja wieder zurück. Zurück nach Hause. Zurück in den Alltag. Zu Hause empfing uns ein Balsam für unsere Seelen: Unsere Freunde überraschten uns mit einem Gutscheinbaum mit wunderbaren Ideen, damit wir den langen Prozess des Abschiednehmens nicht alleine bewältigen müssen.

Jaël fehlt. Sie fehlt aber nicht nur uns, ihren Eltern. Es tut gut zu sehen, dass sie von so vielen anderen auch vermisst wird. Es tut gut, mit ihnen über Jaël zu sprechen. Es tut gut, dass sie nicht vergessen ist. Und nun also das erste Osterfest ohne sie. Dankbar sind wir, dass wir das Fest nicht alleine verbringen müssen, sondern mit lieben Freunden und Verwandten, die uns eingeladen haben. Es fühlt sich komisch an, und doch ist Jaël dabei. In unseren Herzen. Und vielleicht kann der Winter im Herzen nur so vorübergehen. Wenn wir wissen, dass sie bei uns ist. In unserer Liebe zu ihr. In unseren dankbaren Erinnerungen.

In diesem Sinne wünschen wir Euch gesegnete Ostertage!

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