Nur eine Handvoll Leben

Eine deutsche TV-Produktion macht in den letzten Tagen mit guten Kritiken von sich reden: „Komplett kitschfrei, Gott sei Dank“ (SPIEGEL online). „Unbedingt preiswürdig“ (Frankfurter Neue Presse). „Dürfte als eines der besten Fernsehspiele mit dem Fokus Familie in die jüngere deutsche TV-Geschichte eingehen“ (Teleschau). Premiere im Ersten war am 23. März, in der Mediathek ist der Film noch bis Juni verfügbar.

In „Nur eine Handvoll Leben“ spielen Annette Frier und Christian Erdmann ein Ehepaar, das mit seinen beiden Töchtern aus erster Ehe eine moderne Patchworkfamilie bildet. Die Geburt eines gemeinsamen Kindes soll ihr Glück perfekt machen. Beide fallen aus allen Wolken, als sie die niederschmetternde Diagnose Trisomie 18 erhalten.

Von einer Presseagentur, die den Film bewirbt, wurden wir als betroffene Eltern eines Kindes mit Trisomie 18 gefragt, ob wir für eventuelle Interviewanfragen zur Verfügung stehen würden. Nachdem wir die Produktion vorab angesehen hatten, waren wir uns einig, diese Anfrage positiv zu beantworten (hier ein daraus entstandener Artikel). Denn der Film, in Fernsehzeitschriften als Drama angekündigt, kommt trotz der Schwere des Themas so undramatisch und unaufdringlich daher, dass man gerne genauer hinschaut.

Das gesamte Spannungsfeld des Entscheidungsprozesses mit den dazugehörigen pränatalen Untersuchungen ist sehr authentisch dargestellt. So authentisch, dass wir uns schnell in eigenen Erinnerungen wiederfinden und die Tränen fließen. Die Dialoge sind angenehm sparsam angelegt. Ohne viel Worte, dafür mit ausdrucksstarken Bildern können die Gedanken der Protagonisten nachvollzogen werden. Ganz ehrlich: Bisher waren wir nicht unbedingt Fans deutscher TV-Produktionen. Aber was Produzentin Heike Voßler und Regisseurin Franziska Meletzky da geschaffen haben, ist äußerst sehenswert. Danke dafür! Auch an Henriette Piper, die das Drehbuch geschrieben hat. Als Jaëls Eltern fühlen wir uns sehr verstanden, wenn Annette ihre Entscheidung mit den Worten verkündet:

„Eure Schwester darf selber entscheiden, wie lange sie bei uns bleibt.“

Unsere Jaël blieb 13 Jahre. Und gab uns in dieser Zeit so viel Liebe, dass wir uns von ihr reich beschenkt fühlen. Dass die Macherinnen bei der Recherche direkten Kontakt mit betroffenen Familien hatten, spürt man dem Film ab. So trug die Begegnung des Teams mit der achtjährigen Gesa wesentlich zum Gelingen des Films bei, wie Regisseurin Franziska Meletzky beschreibt:

„Bedingungslose Liebe zu einem kleinen Geschöpf zu erleben, das so viel mehr zu kämpfen hat, löst Bewunderung, Zärtlichkeit und Demut aus.“

Ein heller, positiver Film, der die Osterzeit nachdenklich einläutet und aus dem man gestärkt und bereichert herauskommt. Und der einen wichtigen Beitrag leistet zu der Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Und zu einem gesellschaftlichen Klima, „in dem Frauen keine Angst haben müssen, diskrimiert zu werden, wenn sie sich für den mit Sicherheit nicht einfachen Weg für das Kind entscheiden“ (Henriette Piper).

Links:

„Eine absolute Bereicherung für unser Leben“ (epd)

Film „Nur eine Handvoll Leben“ anschauen

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5. Dezember

2015-12

Heute vor einem Jahr war die bewegende Trauerfeier. So traurig der Anlass auch war, erinnern wir uns doch voller Dankbarkeit zurück. Denn wir erlebten eine Trauerfeier, die den Anwesenden Jaëls Persönlichkeit und Kompetenzen in bunten Farben vor Augen malte. Wir danken unserer Freundin und Pastorin Petra, die uns nicht nur in den fünf Tagen des Abschieds begleitet hat, sondern auch an diesem Tag die schönsten Worte fand.

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Einzigartig, wunderbar, geliebt

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An Jaëls erstem Todestag

Schwer zu glauben, dass unsere geliebte Jaël nun schon seit einem Jahr nicht mehr bei uns ist. Das Jahr ohne sie war durch Reisen und neue Aufgaben sehr ereignisreich. Und doch gab und gibt es keinen Tag, an dem sie nicht in unseren Gesprächen und Gedanken präsent wäre. Es gibt keinen Tag, an dem wir sie nicht vermissen. Die Erinnerung an sie ist jedoch nicht nur schmerzhaft. Jaël schafft es immer noch, ein Lächeln auf unsere Lippen zu zaubern.

In den letzten Monaten haben wir unglaublich viel Zuspruch erhalten. Unzählige Mails und Briefe erreichten uns, und viele liebevolle Gespräche zeigen, dass unsere Jaël nicht vergessen ist. Danke an alle, die uns in diesem Jahr so wundervoll unterstützt und an uns gedacht haben. Auch wenn wir nicht alles beantworten konnten, sind wir dankbar für jede Zeile, jede Aufmerksamkeit, jede kleine Erinnerung an unsere Jaël. Was bleibt ist die Dankbarkeit für ihre unendliche Liebe und die Erinnerung an ihr herzerwärmendes Lächeln und ihre vor Fröhlichkeit funkelnden Augen.

Wie geht es nun für uns weiter ohne unsere Jaël? Manche fragen, ob wir uns weitere Kinder wünschen. Ganz ehrlich: Wozu? Jaël hat mit uns die schönste Liebesgeschichte geschrieben. Einen Bestseller. Was könnte erfüllender sein als diese 13 Jahre? Wir haben von Jaël so viel gelernt (Jaëlkompetenz). Diesem Erbe möchten wir gerecht werden und ihre Kompetenzen weitergeben an andere. Sei es durch Begegnungen, Unterrichtseinheiten in der Schule (wie neulich im Reli-Unterricht eines Gymnasiums) oder im Rahmen unserer beruflichen Tätigkeiten. Schließlich sind und bleiben wir Eltern. Und haben dazu noch viele Kinder um uns herum, denen wir Jaëls Liebe zuteil werden lassen können.

 

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Gedenkgottesdienst

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„Ich will dir danken, weil du ihre Namen kennst, Gott meines Lebens.“

Dieser Liedruf erklang gestern im Gedenkgottesdienst der Kapelle der Uniklinik Düsseldorf, als die Namen der verstorbenen Kinder genannt und für sie eine Kerze entzündet wurde. Gedacht wurde aller Kinder, die im vergangenen Jahr im Klinikum oder in der Betreuung des Palliativteams zu Hause verstorben waren. Die Atmosphäre war geprägt von der Trauer über den Verlust sowie der Sehnsucht nach dem geliebten Kind.

Gemeinsam mit den Ärzten und Schwestern, die Jaël betreut hatten, an sie zu denken, war gleichzeitig traurig und schön, schmerzhaft und tröstlich. Man konnte merken: Nicht nur wir als Eltern, auch die Ärzte und Schwestern brauchen einen Ort, um zu gedenken und zu trauern. Herzlichen Dank an das Kinderonkologie- und Palliativ-Team für die liebevolle Vorbereitung dieses Gottesdienstes. Eine weitere wertvolle Station auf unserem Weg zu Jaëls erstem Todestag.

 

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Gedanken

Zwei Wochen vor Jaëls erstem Todestag.
In diesen Tagen wird manches wieder präsent:

Der Duft des Öls, mit dem wir sie gesalbt haben.
Der Schein der Kerzen, die brannten, als sie von uns ging.
Gedanken an die fünf Tage des Abschieds im November 2014.

Die Gedanken machen das Herz schwer.
Die Liebe zu ihr macht das Herz weit.
Beides zusammen ist Gedenken.

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