“Glück ist, was einem erspart bleibt.”

Diesen Satz habe ich gerade in Viktor Frankls Buch “… trotzdem Ja zum Leben sagen” gelesen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch. Frankl überlebte Auschwitz und beschreibt, wie wenig unser Glücksempfinden von unseren Lebensumständen abhängt. Dieser Satz lässt mich nicht mehr los, und ich bin wirklich zutiefst dankbar für alles, was uns in den letzten 11 Jahren erspart geblieben ist.

Er bringt mich aber auch zum Nachdenken. Über so viele (auch banale) Dinge, von denen ich wünschte, sie würden uns nicht erspart bleiben. Wir erleben viele, viele Dinge mit Jaël nicht und werden sie leider auch nie erleben:

  • Ich werde nicht mit ihr über ihr nicht aufgeräumtes Zimmer streiten können.
  • Ich werde mit ihr keine endlosen Diskussionen führen, wie lange sie fernsehen, mit ihren Freunden chatten oder telefonieren darf oder wie lange sie am Wochenende wegbleibt.
  • Ich werde sie nicht über ihr gebrochenes Herz der ersten großen Liebe trösten können.
  • Ich werde nicht stundenlang mit ihr Kleider für ihre Konfirmation, Abiball und Hochzeit suchen können.
  • Wir werden nicht bei einem Sportereignis am Rand stehen und sie anfeuern.
  • Wir werden nicht ihren Text für einen Theaterauftritt mit ihr proben und bei der Aufführung noch nervöser sein als sie…

All diese Dinge gehören zum Elternsein dazu. Nicht zu unserem. Es müsste mich traurig stimmen. Tut es vielleicht auch. Aber was überwiegt, ist das Glück, das ich z.B. jeden Morgen erlebe, wenn ich an Jaëls Bett komme und sie noch atmet und mich freudestrahlend umarmt. Oder wenn wir uns mit unserem Lachen gegenseitig anstecken (so wie gerade während ich diese Zeilen schreibe und sie auf meinem Arm ist), dann weiß ich: Glück ist jetzt. Glück ist nicht das, was ich nicht habe, sondern was gegenwärtig ist: Der Augenblick.

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Kommentare (3)

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    Stephanie

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    Liebe Shabnam, mir geht es mit unserer Tochter Selina auch so. Vieles macht einen traurig, weil man es nie erleben wird mit seinem Kind. Auch viele alltägliche Dinge, worüber sich andere Eltern aufregen, werden wir nie erleben dürfen. Aber wie du so schön schreibst, daß mir gerade die Tränen kommen: Glück ist jeder geschenkte Augenblick mit unserem besonderen Kind und jeder Morgen an denen man erwacht und sie noch leben… Dazu fällt mir auch noch ein tolles Zitat ein: “Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.” von Francis Bacon.
    Ich wünsche euch weiterhin viele schöne Tage mit eurer Jael und viel Kraft für den Alltag
    LG Stephi

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    Tim

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    Glück hat, wer von Jael eine Umarmung erhält 🙂 Ich habe immer viel Glück 🙂

    Danke für diese Gedanken. Bis bald!

    Grüße und Umarmung aus der Hauptstadt
    Timi

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    Svenja

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    Ich bin als ergotherapeutin oft mit allen formen und schweregraden von Behinderungen konfrontiert und durfte einige Familien kennenlernen die eine unglaubliche Stärke und Vorallem Liebe miteinander verbindet, die man vielleicht über das schimpfen über unaufgeräumte Zimmer manchmal vergisst wenn man das Glück hat ein gesundes Kind bekommen zu haben. Eure Jael hat ein ganz einnehmendes Lächeln, ich wünsche euch ganz viele Momente in denen sie so lacht. Alles Liebe!

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